Red-Bull-Flugtag

Sonntage sind auch im BSAG-Netz eigentlich vergleichsweise ruhig. Während die Fahrgäste an einem normalen Wochentag fast eine halbe Million Fahrten machen, sind es an einem Sonntag »nur« rund 160.000. Doch am 1. Juli 2018 waren es deutlich mehr – denn an diesem Tag war in Bremen jede Menge los. Allein 40.000 Besucherinnen und Besucher erwarteten die Veranstalter zum Red-Bull-Flugtag im Europahafen. Kein Wunder: Wenn ambitionierte Bastelteams Fluggeräte zusammenzimmern, um am Ende dann doch eine spektakuläre Bruchlandung hinzulegen, ist das ein echter Hingucker.

Der Flugtag ist aber längst nicht alles, was Bremen am 1. Juli auf Trab hielt. Beim Ladies Run durch die Innenstadt war Action – und das Einkaufszentrum Waterfront lud zum verkaufsoffenen Sonntag ein, während nebenan auch noch das Stadtteilfest »Gröpelinger Sommer« über die Bühne ging.

Red-Bull-Flugtag: Vorbereitungen laufen auch bei BSAG auf Hochtouren

Keine Frage: Am 1. Juli wollten deutlich mehr Leute als an einem ganz normalen Sonntag in Bremen von A nach B. Damit es an diesem Tag kein Verkehrschaos gab, liefen bei der Bremer Straßenbahn AG schon Wochen vorher die Vorbereitungen.

Den Vorschlag für ein Nahverkehrskonzept machen bei der BSAG die Verkehrsplaner. Sie kennen die Fahrpläne und Routen aller Linien in- und auswendig. Deshalb war ihnen sofort klar: Die Überseestadt-Businie 20, die sonntags nur stündlich verkehrt, wird die erwartete Menschenmenge nicht bewegen können. Und auch die Straßenbahnlinie 3, die zur Überseestadt und zur Waterfront fährt, hat sonntags nur einen 20-Minuten-Takt. Das reicht nicht.

Linie 3 fährt zu Spitzenzeiten alle fünf Minuten

Ein Teil des Plans lag deshalb auf der Hand: Die Linie 3 musste deutlich häufiger fahren – zumindest zwischen Domsheide und Gröpelingen. Deshalb war die BSAG auf diesem Streckenabschnitt am 1. Juli deutlich mehr unterwegs als sonst – zwischen 12 und 17 Uhr sogar im Fünf-Minuten-Takt.

Eine kleine Herausforderung bedeutete der Ladies Run. Wegen der Laufveranstaltung war die Obernstraße am 1. Juli gesperrt und der reguläre Fahrtweg der Linien 2 und 3 blockiert. Dafür müssen bei der BSAG die Kolleginnen und Kollegen vom Störungsmanagement eine Lösung finden. Sie haben in diesem konkreten Fall entschieden, dass die Straßenbahnlinien für die Dauer des Ladies Run über die Westerstraße und Am Brill umgeleitet werden.

Damit die Fahrgäste von dieser Änderung erfahren und nicht vergebens an den umfahrenen Haltestellen stehen, informiert die BSAG mit Aushängen in den Haltestellen-Vitrinen über Umleitungen. Für die Verteilung sind die Kolleginnen und Kollegen vom Haltestellenmanagement zuständig. Sie stellen auch gut sichtbare, rote Infostelen an den wichtigsten Haltestellen auf, um alle Besucherinnen und Besucher über die Zusatzangebote zu informieren.

Sonder-Straßenbahn bringt Gäste direkt zum Red-Bull-Flugtag

Beim Red-Bull-Flugtag waren auch zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus dem Umland zu Gast – und die reisten zum Teil mit dem Auto an. Weil die Zahl der Parkplätze rund um den Europahafen aber überschaubar ist, brauchten sie eine Alternative. Und die hieß am 1. Juli: Bürgerweide.

Von dort aus konnten Autofahrer an diesem Tag mit einer Sonder-Straßenbahnlinie direkt zum Veranstaltungsort fahren. Im Zehn-Minuten-Takt ging es zwischen 10.30 und 17.30 Uhr vom Park-&-Ride-Parkplatz aus zum Europahafen und natürlich auch wieder zurück. Für Fahrgäste war die Fahrt mit dieser Sonderlinie kostenlos. Der Veranstalter hat diese Leistung bei der BSAG in Auftrag gegeben. Die Sonderlinie hielt übrigens natürlich auch am Hauptbahnhof, so dass es von dort am 1. Juli umsteigefrei auf der Schiene zur Überseestadt geht. Regulär ist das erst seit März 2019 möglich. An dem Tag ging die neue Linie 5 an den Start.

Besonderheit: Hafenbahn

Sobald so ein theoretischer Plan bei der BSAG steht, geht es an die praktische Umsetzung. Und die ist manchmal gar nicht so leicht. Mit den zusätzlichen Fahrten der Linie 3 und der Zusatzlinie zwischen Bürgerweide und Red-Bull-Flugtag herrschte auf den Straßenbahngleisen in der Überseestadt am 1. Juli Hochbetrieb. Und das bringt die dortigen Signalanlagen an ihre Grenzen.

Dazu muss man wissen, dass es in der Überseestadt eine echte Besonderheit gibt. Zwischen der Stephanibrücke und dem ehemaligen Kellogg’s-Gelände teilt sich die Straßenbahn die Gleise mit der sogenannten Hafenbahn. Dort sind auch nach der Schließung des Kellogg’s-Werks regelmäßig DB-Güterzüge unterwegs. Und weil Straßenbahn und Güterzug sich auf gar keinen Fall in die Quere kommen dürfen, sorgt eine Signalanlage für Sicherheit. Sie regelt, dass auf dem rund 800 Meter langen Teilstück immer nur ein Fahrzeug unterwegs ist – und niemals gleichzeitig ein Güterzug und eine Straßenbahn.

Sicherheitsposten regeln den Verkehr

Der Nachteil: Auch zwei Straßenbahnen können nicht gleichzeitig im betreffenden Gleisstück in einer Richtung unterwegs sein. Das ist im Alltag auch kein Problem. Mit dem engen Takt, den die BSAG am 1. Juli fuhr, sorgte das aber plötzlich für Hindernisse: Wenn tatsächlich immer nur eine Straßenbahn auf dem Teilstück unterwegs sein dürfte, hätten sich die nachfolgenden Fahrzeuge dahinter gestaut und hätten warten müssen, bis die vordere Bahn den Gleisbereich verlassen hat. Die Folge: Stau, Verspätungen und unzufriedene Fahrgäste.

Am 1. Juli blieb die Signalanlage, die das gleichzeitige Einfahren verhindert, deshalb aus. Für Sicherheit sorgten an diesem Tag nicht Maschinen, sondern Menschen. Sicherheitsposten regelten den Verkehr vor Ort.

Nahverkehrsplan muss umgesetzt werden

Wenn die Idee der Verkehrsplaner von allen Beteiligten abgenickt worden ist, muss immer noch eine Menge Arbeit erledigt werden.

Zunächst sind die Kolleginnen und Kollegen aus der Fahr-, Umlauf- und Dienstplanung dran. Sie geben vor, welche Fahrten ein einzelnes Fahrzeug nacheinander abwickeln soll, damit aus der Idee der Verkehrsplaner Wirklichkeit wird. Aus diesen Vorgaben ergab sich nicht nur der konkrete Fahrplan für den 1. Juli, sondern auch, wie viele zusätzliche Fahrzeuge benötigt wurden und wie viele Extradienste von den Mitarbeitenden aus dem Fahrdienst besetzt werden mussten. Am Super-Sonntag saßen 24 zusätzliche Straßenbahnfahrerinnen und -fahrer am Sollwertgeber, damit der Nahverkehr rund um den Red-Bull-Flugtag rund lief.

Die Umläufe, also der genaue Fahrtweg aller Fahrzeuge auf der Sonderlinie, musste ins Integrierte Bordinformationssystem (IBIS) eines jeden Fahrzeugs der BSAG eingespeichert werden. Das IBIS sorgt zum Beispiel dafür, dass die Weichen auf der Strecke korrekt gestellt und die Haltestellen unterwegs richtig angesagt werden. Über dieses System lässt sich auch der Zielanzeiger steuern – also der Bildschirm am Kopf der Bahn. Schließlich sollen Fahrgäste auch von außen sehen, wohin die Straßenbahn fährt. Und auch andere Systeme brauchen die Daten der Zusatzverbindungen. Schließlich sollen Fahrgäste die Fahrten auch in der VBN-App und in der Fahrplanauskunft auf www.bsag.de finden.

Fahrpersonal finden

Sind alle Fragen geklärt, geht es an eine der wichtigsten Aufgaben: Wer steuert die Fahrzeuge? Die Leiterin der sogenannten zentralen Disposition hatte schon vorab ihre Einschätzung gegeben, ob genügend Personal zur Verfügung steht. Sie hat die Auslastung der Fahrdienst-Kolleginnen und -Kollegen im Blick. Gemeinsam mit ihren Mitarbeitenden macht sie die Dienstplanung. Alle Fahrerinnen und Fahrer, die am 1. Juli regulär oder zusätzlich im Einsatz waren, mussten diese Information rechtzeitig erhalten. Den Zusatzverkehr zum Red-Bull-Flugtag und verkaufsoffenen Sonntag in der Waterfront stand deshalb nichts mehr im Wege – und Bruchlandungen gab es am 1. Juli ausschließlich im Europahafen.

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