Mobile Servicemitarbeiter

Mutmacher in BSAG-Uniform

MUTMACHER IN BSAG-UNIFORM

Wenn die eigene Mobilität im Alter nachlässt, wächst die Angst davor, nicht schnell genug in Bus und Bahn zu kommen

Seit einem Vierteljahr ist Waltraut Jäger mit dem Rollator unterwegs – und seitdem weder Bus noch Bahn gefahren. »Die Unsicherheit ist mir zu groß«, erzählt die 90-Jährige aus Arsten. Sie wirkt zwar rüstig, aber den Ein- und Ausstieg in öffentliche Verkehrsmittel traut sie sich mit der noch ungewohnten Gehhilfe nicht zu.

Gemeinsam mit ihrer Freundin Helga Cordes nimmt sie deshalb am Rollstuhl- und Rollatorentraining der Bremer Straßenbahn AG teil. Als Busfahrer und Kursleiter Michael Okkels die Teilnehmenden an diesem Tag nach ihren Erfahrungen in Bus und Bahn fragt, hat fast jeder eine Geschichte zu erzählen. »Es ist ein Problem, wenn die Busse nicht dicht genug an den Bordstein fahren«, sagt Änne Gnas. An Tagen, an denen sie sich ohnehin nicht gut fühlt, würden diese zusätzlichen Zentimeter zu einer echten Hürde. Michael Okkels kennt die Schwierigkeiten. »Wir werden so geschult, dass wir dicht an den Bordstein fahren«, erklärt er. Nicht immer sei das aber im Alltag möglich. »Manchmal kommen wir einfach nicht so dicht ran, weil zum Beispiel Autos zu nah an der Haltestelle parken.«

Seit die BSAG das Training anbietet, sind die Kurse fast immer ausgebucht. Mehr als 1.000 Teilnehmende haben seit 2012 das kostenlose Seminar besucht. Viele kommen mit Ängsten. Wenn es im Bus oder in der Bahn Probleme gibt, sind viele Seniorinnen und Senioren zum Beispiel verunsichert, ob sie die Fahrerin oder den Fahrer um Hilfe bitten oder die Situation selbst klären sollen. Was ist zum Beispiel zu tun, wenn andere Fahrgäste im Weg stehen oder dort, wo eigentlich der Rollstuhlplatz ist, Gepäck steht? »Durch die Spiegel können Fahrende zwar einiges von dem erkennen, was im Fahrzeug passiert«, sagt Okkels. Trotzdem ermutigt er Kursteilnehmende, auch selbst das Gespräch mit anderen Fahrgästen zu suchen. »Kommunikation ist das A und O«, betont er.

Mutmacher in BSAG-Uniform

Ältere Fahrgäste wünschen sich Hilfe vom Fahrpersonal

Es wird aber auch deutlich: Gerade die Männer und Frauen, die im Alltag auf Unterstützung angewiesen sind, wünschen sich, dass auch die Fahrerinnen und Fahrer eingreifen und zum Beispiel per Mikrofon im Weg stehende Fahrgäste dazu auffordern, durchzurutschen und dort Platz zu machen, wo er gebraucht wird.

Mutmacher in BSAG-Uniform

Okkels versucht, den Teilnehmenden die Angst davor zu nehmen, dass der Bus ruckartig losfährt, bevor die älteren Fahrgäste einen Sitzplatz gefunden haben. »Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie beim Einsteigen brauchen«, appelliert der 37-Jährige. Genervte Blicke der Mitfahrenden könnten sie geflissentlich ignorieren. »Einige junge Leute, die beim Einsteigen aufs Smartphone starren, brauchen länger zum Einsteigen als Sie mit ihrem Rollator«, sagt er lachend.

Gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen trainiert Okkels mit den Kursteilnehmenden auf dem BSAG-Gelände am Flughafendamm das Ein- und Aussteigen in einen Bus. Er rät ihnen, immer erst selbst auszusteigen, bevor der Rollator folgt. Sonst sei die Gefahr zu groß, dass die unter Umständen schwer beladene Gehhilfe kippt oder sich an der Bordsteinkante verhakt – und ein Sturz die Folge ist.

Im Fahrzeug sollte der Rollator nicht als Sitzgelegenheit dienen. »Wenn das Fahrzeug eine Vollbremsung macht, sind die Rollatorbremsen nicht stark genug, um Sie zu halten«, warnt der 37-Jährige. Auch den Haltewunsch-Knopf mit der Figur am Gehstock darauf kennen die älteren Menschen bis jetzt noch nicht. Okkels erklärt ihnen, dass der Fahrer die Tür an der Haltestelle manuell schließen muss, wenn dieser Knopf gedrückt wurde – damit sichergestellt ist, dass auch Männer und Frauen mit Einschränkungen genug Zeit zum Aussteigen haben. »Steigen Sie im Bus immer in Tür 2 ein«, rät der Busfahrer. Dort regelt grundsätzlich der Fahrer und nicht die Automatik das Schließen der Türen. Die Ein- und Ausstiegsübungen meistern die Teilnehmenden schnell mit Bravour. »Ich bin richtig froh, dass ich das gemacht habe«, sagt Waltraut Jäger. »Jetzt können wir wieder Bus fahren.«

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